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Lebensweise:
Die lückenhafte Verbreitung des Höckerschwanes ist
vorrangig auf das Einwirken des Menschen zurückzuführen; in
zahlreichen Primärlebensräumen ausgerottet, wurde er in den westeuropäischen
Ländern angesiedelt. Einbürgerungen erfolgten ferner 1866 auf
Neuseeland, zwei Jahre vor der des Schwarzschwanes, 1919 im USA - Staat
Michigan und in Australien.
Die mitteleuropäischen Höckerschwäne bewohnen zur Brutzeit von
breiten Röhrichtbeständen umgebene Seen und Fischteiche
unterschiedlicher Größe, Altwässer und Flußarme sowie die Boddengewässer
und im zunehmendem Maße Klein - und Kleinstgewässer. In Innerasien
besiedeln sie ausschließlich flache, vegetationsreiche Steppenseen.
Im Februar/März - in der Sowjetrepublik meist im April - , noch bevor
die Eisdecke der Seen gänzlich abgetaut ist, kehren die alten Paare auf
ihre Brutgewässer zurück; die nicht brütenden ein - und zweijährigen
Tiere folgen einige Wochen später. In der Regel behauptet jedes
Schwanenpaar ein großes, streng abgegrenztes Brutrevier, das durch
Imponiergebaren und durch harte Kämpfe unter den Männchen verteidigt
wird. Örtlich kommt es aber auch zu Koloniebildungen, beispielsweise in
der Abbots - Nehrung, Südengland, wo um 1960 über 500 Paare brüteten.
Die Nestabstände betragen dort nur wenige Meter. Das Nest selbst ist
ein umfangreicher Bau aus Schilf - und Rohrhalmen und wird in oder nahe
der Flachwasserzone auf Kaupen, Inselchen oder direkt im Röhricht,
seltener auf Land oder in Strandnähe errichtet. Die Eiablage erfolgt in
der zweiten Aprilhälfte, in Innerasien teils erst Ende Mai. Die
Vollgelege enthalten bis 9, bei halbzahmen und domestizierten Paaren bis
zu 12 graugrüne, körnige Eier. Die Brutdauer beträgt 35 - 37 Tage.
NIESS ( 1960) wies nach, daß die Männchen während der Brut zwar
gelegentlich auf den Eiern sitzen, doch allein das Weibchen brütet. Die
Küken schlüpfen in relativ großen Zeitabständen. Ihre Betreuung
erfolgt durch beide Eltern, die zu unterschiedlichen Zeiten mausern
(Weibchen zu Beginn der Kükenführung, Männchen etwa 6 Wochen später),
so daß während der Führungszeit eines der Elterntiere immer flugfähig
ist. Die Jungschwäne nehmen im ersten Monat beträchtlich an Größe
zu, die Schwingen beginnen mit 7 - 8 Wochen zu wachsen, mit 20 - 25
Wochen (Ende September) wird die Flugfähigkeit erreicht. Wenig später
setzt die Kleingefiedermauser ein. Die geschlechtliche Reife tritt
zwischen dem 3. und 4. Jahr ein, doch bilden sich Paare nach einem,
meist im 2. Lebensjahr.
Nahrung in der Natur:
Grünteile, Samen und Rhizome vieler Wasserpflanzen, die
durch Eintauchen des Oberkörpers unter Wasser abgerissen werden; ferner
Sumpfpflanzen und Gräser
(Parkschwäne äsen gern auf Rasenflächen). Mit den Pflanzen werden
unbedeutende Mengen Kleinlebewesen aufgenommen.
Haltung und Zucht:
Die Haltung und Zucht der Höckerschwäne wurde bereits im
antiken Griechenland und im alten römischen Reich betrieben und blieb
bis in das 19. Jahrhundert vorwiegend ein Privileg des Hochadels. Selbst
die gegenwärtig auf den Brandenburger Seen lebenden sogenannten
halbwilden Havelschwäne sind Nachkommen solcher Züchtungen am Hofe
Friedrichs des II von Preußen. Erst im 20. Jahrhundert wurden die Tiere
verstärkt auf kleineren Parkseen, in Zoos und in städtischen Anlagen
gehalten. Bei Wasserziergeflügelzüchtern sind sie wegen ihrer Größe
und Unverträglichkeit nur selten anzutreffen.
Höckerschwäne lassen sich auf jeden angemessen großen Teich ohne
Schwierigkeiten halten. Für die kalte Jahreszeit bietet man ihnen eine
Strohschütte in windgeschützter Lage. Als Grundnahrung empfiehlt sich
Mischfutter und viel Grünzeug, sofern kein natürlicher
Wasserpflanzenbewuchs vorhanden ist. Das schwierigste Problem bildet die
Verträglichkeit der Schwanenpaare untereinander, gegenüber anderen
Schwanenarten und anderen Entenvögeln. Nach STEINBACHER (1957) benötigt
ein Schwanenpaar eine Mindestwasserfläche von 200 qm. Sollen neben den
Schwänen Enten und Gänse den gleichen Teich bewohnen, muß dieser so
groß sein, daß die kleineren Arten das Brutrevier der Schwäne
weitgehend meiden können. Mehrere Schwanenpaare vertragen sich auf
einem Teich nur dann, wenn sie ihre Brutrevier gegenseitig abgrenzen können.
Ferner ist bei der Haltung von Höckerschwänen zu berücksichtigen, daß
die revierverteidigenden Männchen nicht selten Hunde und sogar Menschen
angreifen und sie mit Flügelschlägen und Bissen arg zurichten können.
Die Zucht von Höckerschwänen ist einfach und in der Regel sehr
ergiebig. Sie verläuft in ähnlicher Weise wie beim Schwarzschwan.
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